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Geschossflächenziffer

Definition:

Die Geschossflächenziffer (GFZ) ist das Verhältnis der Summe aller Geschossflächen (GF) zur anrechenbaren Grundstücksfläche.
Die Summe aller Geschossflächen besteht aus folgenden Komponenten:
– Hauptnutzflächen HNF
– Nebennutzflächen NNF
– Verkehrsflächen VF
– Konstruktionsflächen KF
– Funktionsflächen FF
Nicht angerechnet werden Flächen, deren lichte Höhe unter einem vom Gesetzgeber vorgegebenen Mindestmass liegt.

Geschossflächenziffer = Summe aller Geschossflächen / anrechenbare Grundstücksfläche
GFZ = ΣGF / aGSF


Skizze:

Figur 8.2 Geschossflächenziffer (0477683)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kommentar:

Die Geschossflächenziffer war ursprünglich als Ersatz für die in vielen Kantonen geltende Ausnützungsziffer gedacht. Die Kantone entschieden, dass wahlweise weiterhin die Ausnützungsziffer beibehalten werden oder zur Geschossflächenziffer gewechselt werden darf (Beschluss des Interkantonalen Organs zur Harmonisierung der Baubegriffe vom 15. Januar 2009).

Die Ausnützungsziffer hat insbesondere den Nachteil, dass verschiedenste Geschossflächen von der Anrechenbarkeit ausgenommen werden und sich dadurch baupolizeiliche Kontrollprobleme und Missbrauchspotenzial ergeben. Zudem sind die Definitionen in den einzelnen Kantonen unterschiedlich, sodass keine Harmonisierung besteht. Mit der Geschossflächenziffer besteht lediglich eine Ausnahme von nicht anrechenbaren Flächen, nämlich diejenigen, deren lichte Höhe unter einem vom kantonalen Gesetzgeber festzulegenden Mindestmass liegt. Im Kanton Aargau wird weiterhin die Ausnützungsziffer angewendet (§ 32 BauV). Das kantonale Recht legt kein Mindestmass für die lichte Höhe fest.

Die IVHB stützt sich bei der Definition der Geschossflächen auf die SIA Norm 416 (2003) „Flächen und Volumen von Gebäuden“. Alle Geschossflächen in einem Gebäude einschliesslich der Wandquerschnitte sind einzuberechnen. Auch anzurechnen sind unabhängig von ihrer Nutzung die unterirdischen Geschossflächen wie etwas Fahrzeugeinstellhallen und Lagerräume. Mehr zur SIA Norm 416 (2003) im nächsten Abschnitt.


Definitionen aus der SIA Norm 416 (2003):

Geschossfläche: Die Geschossfläche GF ist die allseitig umschlossene und überdeckte Grundrissfläche der zugänglichen Geschosse einschliesslich der Konstruktionsflächen. Nicht als Geschossflächen gerechnet werden Flächen von Hohlräumen unter dem untersten zugänglichen Geschoss.

Die Geschossfläche GF gliedert sich in – Nettogeschossfläche NGF und – Konstruktionsfläche KF.

Nettogeschossfläche: Die Nettogeschossfläche NGF ist der Teil der Geschossfläche GF zwischen den umschliessenden oder innenliegenden Konstruktionsbauteilen.

Die Nettogeschossfläche NGF gliedert sich in – Nutzfläche NF, – Verkehrsfläche VF und – Funktionsfläche FF.

Nutzfläche: Die Nutzfläche NF ist der Teil der Nettogeschossfläche NGF, welcher der Zweckbestimmung und Nutzung des Gebäudes im weiteren Sinne dient.

Die Nutzfläche NF gliedert sich in – Hauptnutzfläche HNF und – Nebennutzfläche NNF

Hauptnutzfläche: Die Hauptnutzfläche HNF ist der Teil der Nutzfläche NF, welcher der Zweckbestimmung und Nutzung des Gebäudes im engeren Sinn dient.

Nebennutzfläche: Die Nebennutzfläche NNF ist der Teil der Nutzfläche NF, welcher die Hauptnutzfläche HNF zur Nutzfläche ergänzt. Sie ist je nach Zweckbestimmung und Nutzung des Gebäudes zu definieren.
Zu den Nebennutzflächen gehören z. B. im Wohnungsbau – Waschküchen – Estrich- und Kellerräume, – Abstellräume, – Fahrzeugeinstellräume, – Schutzräume und – Kehrichträume.

Verkehrsfläche: Die Verkehrsfläche VF ist jener Teil der Nettogeschossfläche NGF, welcher ausschliesslich deren Erschliessung dient.  Zur Verkehrsfläche gehören z. B. im Wohnungsbau die Flächen von ausserhalb der Wohnung liegenden Korridoren, Eingangshallen, Treppen, Rampen und Aufzugsschächten.

Funktionsfläche: Die Funktionsfläche FF ist jener Teil der Nettogeschossfläche NGF, der für haustechnische Anlagen zur Verfügung steht. Zur Funktionsfläche FF gehören Flächen wie – Räume für Haustechnikanlagen, – Motorenräume von Aufzugs- und Förderanlagen, – Ver- und Entsorgungsschächte, Installationsgeschosse sowie Ver- und Entsorgungskanäle und – Tankräume.

Konstruktionsfläche: Die Konstruktionsfläche KF ist die Grundrissfläche der innerhalb der Geschossfläche GF liegenden umschliessenden und innenliegenden Konstruktionsbauteile wie Aussen- und Innenwände, Stützen und Brüstungen. Einzuschliessen sind die lichten Querschnitte von Schächten und Kaminen sowie Tür- und Fensternischen, sofern sie nicht der Nettogeschossfläche NGF zugeordnet sind.  Bauteile wie versetzbare Trennwände und Schrankwände sind keine umschliessenden oder innenliegenden Konstruktionsbauteile im Sinne dieser Norm.

Die Konstruktionsfläche KF gliedert sich in – Konstruktionsfläche tragend KFT und – Konstruktionsfläche nichttragend KFN.

Grundstücksfläche: Das betrachtete Grundstück kann umfassen – eine einzelne Parzelle, – mehrere Parzellen und – Teile einer oder mehrerer Parzellen. Die Fläche des Grundstücks gliedert sich in – Gebäudegrundfläche GGF und – Umgebungsfläche UF.

Umgebungsfläche: Die Umgebungsfläche UF ist jene Fläche des Grundstücks, die nicht von Gebäudeteilen durchdrungen wird. Massgebend sind die Verhältnisse nach der Bauausführung.
Flächen über ganz oder teilweise im Erdreich liegenden Bauten oder Teilen von Bauten gelten als Umgebungsfläche, sofern sie bepflanzt, begangen oder befahren werden können und mit dem anschliessenden Terrain in Verbindung stehen.

Die Umgebungsfläche gliedert sich in – Bearbeitete Umgebungsfläche BUF (Hart- bzw. Grünflächen) und – Unbearbeitete Umgebungsfläche UUF.


Rechtsprechung:

  • Entscheid 602 2016 66 Kantonsgericht Freiburg (Urteil vom 18. November 2016): Im vorliegenden Fall wurde eine Auto-Einstellhalle auf einer der vier Seiten auf einer Länge von ca. 11.2 m vollständig geöffnet. Sie bleibt zwar überdeckt, ist aber offensichtlich nicht mehr allseitig umschlossen. Sie zählt damit nicht zur Geschossfläche , weil es sich nicht um einen auf allen Seiten geschlossenen Raum handelt. Aus den Erwägungen:

„Gemäss den Erläuterungen des Interkantonalen Organs zur IVHB stützt sich das Konkordat bei der Definition der Geschossflächen und ihrer Komponenten auf die SIA-Norm 416 (2003) (SN S04 416) „Flächen und Volumen von Gebäuden“. Danach ist die Geschossfläche die allseitig umschlossene und überdeckte Grundrissfläche der zugänglichen Geschosse einschliesslich der Konstruktionsflächen. Daraus folgt, dass alle Geschossflächen in einem Gebäude einschliesslich der Wandquerschnitte einzurechnen sind. Ebenfalls anzurechnen sind unabhängig von ihrer Nutzung die unterirdischen Geschossflächen wie etwa Fahrzeugeinstellhallen und Lagerräume. Auch Art. 52 Abs. 2 lit. a RPBR verweist auf die technischen Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA).  In einem Entscheid vom 8. März 2013 (Urteil KG FR 602 2012 64-65-67 vom 8. März 2013, veröffentlicht unter www.fr.ch/tc/de/pub/rechtsprechung) hatte sich das Kantonsgericht bereits einmal mit der Frage der Berechnung der GFZ bei teilweise geöffneten Autoabstellplätzen auseinandergesetzt. Bezüglich dreier zwar in die Baute integrierter, aber nach vorne offener Autoabstellplätze mit direktem Zugang zum Untergeschoss der Häuser erwog es, dass die Fläche dieser Garagen nicht zur Geschossfläche zähle, weil es sich nicht um einen auf allen Seiten geschlossenen Raum handle, und schützte den Entscheid der Vorinstanz, die die Grundfläche der Garagen bei der Berechnung des GFZ ausser Acht gelassen hatte. Dabei wies es auch darauf hin, dass diese Lösung im Sinne des vom Gesetzgeber angestrebten verdichteten Bauens sei und dass verschiedene Kantone unterirdische oder halbgedeckte Garagen bei der Berechnung der GFZ ausdrücklich ausschliessen (E. 4b). Im vorliegenden Fall wurde die Auto-Einstellhalle auf einer der vier Seiten auf einer Länge von ca. 11.2 m vollständig geöffnet. Sie bleibt zwar überdeckt, ist aber offensichtlich nicht mehr allseitig umschlossen. Daraus ergibt sich, dass die Auslegung des Oberamtmanns, die Grundfläche der Auto-Einstellhalle bei der Berechnung der GFZ ausser Acht zu lassen, korrekt ist. An der bisherigen Rechtsprechung ist festzuhalten.“